Das Osterlamm

Liebe Geschwister in Eckersbach und in der Ferne!

 

Auf dem Titelbild der letzten Ausgabe unseres Kirchennachrichtenblattes waren Kraniche abgebildet, aus Papier gefaltet, Symbole des Friedens geworden, erwachsen aus dem vielfältigen Leid, das die amerikanischen Atombomben über die Menschen von Hiroshima und Nagasaki gebracht hatten; Friedenssymbole passend zur Jahreslosung 2019: Suche Frieden und jage ihm nach!
Passend zur Osterzeit nun ein anderes Friedenssymbol: Das Osterlamm. In altkirchlicher Tradition hat es sein Friedensfähnlein geschultert. Das Feldzeichen des Siegers flattert munter im Wind. Das Kreuz auf dem Wimpel der Standarte ermöglicht die treffende Deutung: Hier ist auf Jesus Christus hingewiesen. Sein Sterben am Kreuz blieb nicht das Ende, wenn auch das Kreuz fortan sein Zeichen blieb und bis heute das Zeichen der Seinen ist. Die Letztgültigkeit des Todes ist Vergangenheit. Der große Feind des Lebens ist besiegt! Das lichte Blau eines klaren Frühlingstages rahmt das Ganze und bettet es zugleich ein, zuversichtlich und hoffnungsvoll. Gleichzeitig erinnert das Lamm an den jüdischen Opferkult: Mit dem Passahfest erinnert das Judentum an Gottes große Befreiungstat aus der Sklaverei unter den Ägyptern. Die mit dem Blut des Lammes gezeichneten Häuser erfahren Verschonung und ihre Bewohner werden in der gemeinsamen Mahlzeit für den weiten Weg durch die Wüste gestärkt. So wird es bis heute bezeugt: In, mit und durch das Lamm schließt Gott einen Bund mit seinem auserwählten Volk und so ist nun Frieden zwischen Gott und den Menschen gestiftet. Mit der Feier des Heiligen Abendmahles erinnert die christliche Kirche an diesen göttlichen Friedensschluss. Zum Gründonnerstag wird dabei angeknüpft an das, was Jesus selbst bei der Passahfeier seinen Jüngern sagte: „Was ihr jetzt esst und trinkt, das bin ich selbst. Für euch und zu eurer Stärkung gebe ich mich ganz hin. Erinnert euch stets daran.“ Darum kann unser Leben auch wieder heil werden, selbst wenn es sich zu Ende neigt. Es kann immer überstrahlt werden von dem Glanz des Sieges, den das Lamm Gottes am Ostermorgen errungen hat. Frieden ist möglich. Gegen allen Augenschein und gegen alle Widerstände stiftet Gott Frieden. Aber er zwingt diesen niemandem auf. Der Friede Gottes ist kein Diktatfrieden eines Feindes, der über den Krieg hinaus demütigt und unterwirft. Friedensschluss durch Aufrichten ermöglicht Frieden auf Augenhöhe. Solcher Frieden durch Gerechtigkeit ist uns durch das Lamm angetragen. Uns allen wird Mut gemacht, solchen Frieden überall und immer wieder zu suchen und ihm nachzujagen.

 

Auch im Namen aller Mitarbeitenden wünsche ich Euch ein gesegnetes und fröhliches Osterfest! Euer Pfarrer Reinhard Stiehler